Die Sicherheitsdebatte nach dem Angriff auf den CSD, die weit über AfD und Union hinausreicht, macht zwei fundamental falsche Annahmen über Sicherheit und Gewalt. Sie sind generell falsch, aber besonders für queere Menschen. Erstens: "Gewalt geht von Extremisten aus, der Staat schützt vor Gewalt" In fast allen Beiträgen wird so argumentiert als ginge queerfeindliche Gewalt nur von Extremisten aus. Die Realität queerer Menschen ist eine andere. Gewalt ist leider eine Alltäglichkeit. Sie ist tiefsitzender Teil unserer Demokratien. Viel Gewalt geht dabei vom Staat aus. bsky.app
Being queer means being the target of violence. Every queer person knows this. It's deeply engraved in who we are. We live with it every day of our lives. Not because of terrorism but because it is structurally enshrined in our "free" societies. Violence against queer people is not an exception ...
Man kann die Sicherheitsbedürfnisse von queeren Menschen nur verstehen, wenn man das in Betracht zieht. Queere Menschen sind nicht blind gegenüber bestimmten Aggressoren. Im Gegenteil, aufgrund ihrer Erfahrungen ist ihr Blick weiter. Es ist ein Privileg zu denken man könne Gewalt so lokalisieren. Es ist deshalb klar, dass Diskurse und Maßnahmen innerhalb dieser eingefahrenen Strukturen für queere Menschen nicht mehr Sicherheit bedeuten werden. Der reduktive Fokus auf Extremismus ist eine Blindheit der Mehrheitsgesellschaft. Natürlich auch um Machtstrukturen nicht in Frage stellen zu müssen. Zweitens: "mehr Sicherheit bedeutet weniger Gewalt". Diese Idee verkennt die Realität der Sicherheitsapparate in denen wir leben. Gewalt geht häufig von Behörden aus. Nicht nur die Polizei, die Protestierende verprügelt. Behörden die trans Personen "begutachten", queere Geflüchtete abschieben. In dieser Realität bedeuten Forderungen nach mehr Sicherheit eben notwendigerweise mehr Gewalt für bestimmte Gruppen. Das wird vor allem intersektional deutlich. Für queere Menschen, die auch people of color sind (wie ich), sind Forderungen nach mehr Sicherheit vor Islamismus eben notwendigerweise Forderungen nach mehr Gewalt von einem Apparat der diese Idee der Sicherheit durchsetzt. Sicherheit für die einen, bedingt mehr Gewalt für die anderen. Das muss ja nicht so sein, mögen jetzt manche entgegnen. Stimmt. Deshalb führen viele queere Menschen einen differenzierteren Diskurs zu Sicherheit. Dieser Diskurs wird gerade völlig verdrängt. Selbst im nominell progressiven Lager werden diese Fragen reduziert auf polemische Phrasen wie "Sicherheit ist notwendig für Freiheit". Man ergibt sich der Blindheit der Vereinfachung. Die hart erkämpfte Komplexität wird dem politischen Argument geopfert.