Es wird gerade viel diagnostiziert, dass die Arbeiter jetzt die AfD wählen. Problem ist, dass das fast ausschließlich über subj. Einschätzung als Arbeiter passiert. Verwendet man objektive Daten über Berufe ist die AfD keineswegs bei Arbeitern am stärksten. Hier mit Parteinähe und Daten des ESS.
Entscheidend ist dabei auch, dass die Zunahme der Unterstützung der AfD fast ausschließlich bei Arbeitern passiert, die sich selbst als ideologisch rechts einstufen. Eine Gruppe, die nie die SPD unterstützt hat. Die Idee die SPD verliere gerade ihre Kernwählerschaft an die AfD ist schlicht falsch.
Das Bild ist auch nicht anders wenn man anstatt Parteinähe nach Wahlverhalten fragt. Der Referenzpunkt ist allerdings die vorherige Wahl, das heißt man kann hier nur etwas bis zur Wahl 2021 sagen, weil die letzte des ESS 2023/2024 ist.
Man kann sich natürlich fragen, was dieser Unterschied zwischen objektiver und subjektiver Einschätzung bedeutet. Was das mit Identitäten zu tun hat und warum jemand der sich Arbeiter nennt eher AfD wählt. Aber dieses Narrativ der Arbeiter die ehemals SPD und jetzt AfD wählen stimmt so einfach nicht