Zufall, dass Trump behauptet, der Krieg dauert maximal 4 Wochen? Ich glaube nicht. Man muss sich klarmachen, zu wem Trump immer auch spricht: Zu den Finanzmärkten und seinen Oligarchenbuddies. Sollte nämlich der Krieg länger dauern und die Straße von Hormus dicht bleiben, passiert ggf. das: /1 🧵 Alle starren auf das Öl, aber durch die Straße von Hormus wird nahezu alles transportiert und ein paar Dinge, die wichtiger sind als Öl: Nahrungsmittel. Anrainerstaaten (VAE, Katar, Kuwait, Bahrain, Irak und Teile Saudi-Arabiens) importieren bis zu 80–90 % ihrer Lebensmittel. /2 Gewaltige Mengen an Getreide (Weizen, Mais), Reis, Zucker und Speiseöl kommen per Frachter über diese Strecke an. Ebenso Frischware wie Fleisch, Milchprodukte und Obst/Gemüse aus Europa, Australien und Amerika. Sperre bedeutet eine sofortige Versorgungskrise der Golfstaaten. /3 Was noch weniger gesehen wird ist Dünger: Etwa ein Drittel des weltweit gehandelten Harnstoffs (Urea) und große Mengen an Schwefel (beides wichtig für Stickstoffdünger) passieren diese eine winzige Meerenge. Ohne diesen Dünger sinken weltweit die Ernteerträge rasant. /4 Eine Sperrung von bsp. 2 Monaten würde die globalen Lebensmittelpreise nicht nur wegen der Spritkosten, sondern wegen fehlenden Düngers sogar mittel- und langfristig exorbitant in die Höhe treiben. Der Klimawandel tut sein übriges. Die daraus resultierenden Verteilungskämpfe kämen on top /5 Der Hafen Jebel Ali in Dubai ist einer der größten Containerhäfen der Welt und liegt hinter der Meerenge. Gegenstände wie Autos, Kleidung, Haushaltsgeräte, Elektronik und Baumaterialien könnten nicht mehr geliefert werden. Hier käme der gesamte Konsum und was dran hängt, mächtig ins Straucheln /6 Viele Waren für Ostafrika oder Indien werden in Dubai von Riesenschiffen auf kleinere Schiffe verteilt. Eine Blockade der Straße von Hormus würde diese gesamte Logistikkette im Indischen Ozean erst einmal vollständig lahmlegen. Somit werden noch ganz andere Regionen in den Krieg gezogen. /7 Ersatzteile für die Öl- und Gasindustrie selbst, aber auch für lebensnotwendigen Meerwasserentsalzungsanlagen (ohne die es in der Region kein Trinkwasser gäbe) blieben aus, mit jeweiligen Folgen. Zugleich exportiert die Region jede Menge Aluminium für die weltweite Auto- und Flugzeugindustrie. /8 Zusammengefasst: Die Golfstaaten bekämen ein massives Hunger-Problem, da die Schiffe mit Nahrung nicht mehr durchkommen. In Europa wird der Preis für Brot und Gemüse steigen, weil der Dünger aus Katar und SA fehlt und die Transportkosten für alle Waren wegen möglicher Umwege um Afrika steigen. /9 Zurück zum Öl - zugleich der aktuelle Treibstoff des Imperialismus und der Weltwirtschaft. Eine vollständige Sperrung der Meerenge wäre an und für sich schon ein sogenannter „schwarzer Schwan“ für die Weltwirtschaft. Ein Ereignis, was unberechenbare gravierende Kettenreaktionen hätte. /10 In den ersten Tagen - wie wir sehen - reagiert vor allem der Terminmarkt. Öllieferungen haben meist 2–6 Wochen Vorlauf. Also es gibt an den Tankstellen noch keine Benzin-Knappheit, aber die Preise schießen hoch, da Händler die künftige Knappheit einpreisen. /11 Nach 4 Wochen(!) leeren sich die Zwischenlager in den Importländern (China, Japan und Indien). Reeder werden die Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) umleiten. Das verlängert die Reisezeit um ca. 10–15 Tage und verteuert den Transport massiv. /12 Die Mitglieder der internationalen Energieagentur (IAE), u.a. Deutschland würden ihre strategischen Reserven anzapfen müssen, um den Markt halbwegs zu beruhigen. Sollte jedoch die Krise länger als 4 Wochen dauern geht es an die Substanz: /13 Da etwa 20-25 % der globalen LNG-Exporte (v.a. aus Katar) wegfallen, würde der Gaspreis parallel zum Ölpreis explodieren. Chemiekonzerne und energieintensive Industrien müssten die Produktion drosseln oder einstellen, da die Kosten nicht mehr tragbar sind. /14 Die Transportkosten für alle Güter steigen, was die Inflation weltweit in den zweistelligen Bereich treiben könnte. Die Weltwirtschaft und damit alle industriellen Zivilisationen ständen am Rande des völligen Kollapses. Und was würden Staaten mit Atomwaffen ggf. tun um das zu verhindern? /15 Das bedeutet natürlich nicht, dass es so kommen wird. Ich wollte damit nur mal veranschaulichen, welche Büchse der Pandora hier leichtfertig geöffnet wurde, zumal wenn man sich nicht 100% sicher ist was der Plan ist und wie er ausgeht (und das kann man in solchen komplexen Systemen nie). /16 Es soll zeigen, wie unwohl ich mich fühle bei einer Regierung, die außer neoliberalen Populismusfloskeln und Unterwürfigkeit gegenüber imperalistischen Aggressoren sonst leider keinerlei Resilienzmaßnahmen zu bieten hat. Im Gegenteil: fossile Abhängigkeit wird verstärkt, soziale Sicherung abgebaut.