Es stimmt, dass die Wahlen in #Serbien morgen weder frei noch fair sein werden, das autokratische Vučić-Regime über sehr viel Macht und Erfahrung verfügt, Wahlen zu manipulieren und die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass am Wahltag die letzten Medien erstickt werden, die noch kritisch berichten. UND Es stimmt auch, dass weltweit Menschen seit Tagen Videos in Social Media posten, in denen sie entschlossen erklären, wie weit und lange sie reisen werden bzw. müssen, um ihre Stimme für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie abzugeben, um Menschen in Serbien zum Wählen zu motivieren. Das ist völlig neu. Es stimmt auch, dass Menschen, die noch nie in ihrem Leben politisch involviert, engagiert waren, in den letzen Monaten Schulungen durchlaufen haben, um als Wahlbeobachter*innen an den abgelegensten Orten Serbiens zu sein. Es kursieren schon Videos, wie Betrugsversuche aufgedeckt, verhindert werden. Es stimmt auch, dass mindestens 150 000 Menschen bei der großen Abschlusskundgebung der studentischen Liste auf den Straßen waren, während Vučić in einer Halle, in die maximal 7000 bis 8000 Menschen passen, in Neu Belgrad seine Wahlkampagne abschloss. Wer welchen und wie viel Rückhalt hat, ist klar. Es stimmt auch, dass die letzten beiden Jahre Expert*innen prophezeiten, die studentisch und zivilgesellschaftlich organisierte Bewegung würde mit der Zeit an Kraft verlieren, durch Vučićs Aussitzen zermürbt werden, was nie eingetreten ist. Im Gegenteil. Die Zivilgesellschaft ist gestärkt (worden). Es stimmt auch, dass die Dinge in Serbien heute grundsätzlich anders stehen als vor 2 Jahren. Eine neue Idee von Gesellschaft ist durch die Bewegung entstanden und gewachsen. Menschen haben Netzwerke geschaffen, gelernt sich zu organisieren und haben Solidarität und Empathie gefördert und gepflegt. Nach der historisch großen Demo am 15.03.25 war die Stimmung gedrückt, weil man irgendwie doch auf einen politischen Wandel als Reaktion auf die Massen hoffte. Mittlerweile spürt man ein anderes (Selbst-)Verständnis: Unabhängig vom Wahlverlauf wird niemand aufhören, bis eine Demokratie erreicht ist.