Herbst 2028. Merz am Ende. Die Koalition zerbricht. Der neue Kandidat heißt Spahn. Die AfD steht bei 30 %, die CDU bei 24 %. Jens Spahn wird Kanzler, die AfD stellt den/die Vize. Die CDU spricht vom Wählerwillen. Moderate Teile springen ab oder passen sich an. 👇
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Ein Jahr zuvor: Die Koalition aus CDU und SPD stirbt an Erschöpfung. Haushalt gescheitert. Klingbeil, Merz und Söder verlassen die Runde um 2:17 Uhr nachts. Merz tritt nicht zurück. Er „übergibt Verantwortung". Pressekonferenz, 11 Uhr, knappe 8 Minuten. Kein Bedauern. Er sagt: „Deutschland braucht jetzt Klarheit." Die CDU applaudiert stehend. Erleichterung. Drei Namen kursieren 48 Stunden. Dann nur noch einer. Spahn hat Telefonate geführt, während Merz noch sprach. Die Partei nickt es ab. Timing ist alles. Die SPD sucht ein Narrativ. Finden keins. „Wir haben regiert" ist kein Wahlkampfslogan. Jeder weiß: Diese Wahl ist verloren. Die Frage ist nur, ob man bei 14 % oder bei 11 % verliert. Zwei Flügel streiten über die Antwort. Die AfD braucht keinen Wahlkampf zu führen. Die anderen führen ihn für sie. Jede Debatte über Migration, Sicherheit, Kosten landet am Ende dort. Der Diskurs hat eine Schwerkraft bekommen. Nur nach rechts. Wahlabend, irgendwann 2028/29. Die CDU nennt es nicht Koalition mit der AfD. Sie nennt es „Stabilitätsbündnis". Eine Vertreterin der AfD steht daneben und lächelt. Die Bilder sind kalkuliert. Die FAZ schreibt von „pragmatischer Realpolitik". Die Bild titelt: „Endlich regiert Deutschland wieder." Die Zahlen stehen. AfD 30,3 %. CDU 24,1 %. Im ARD-Studio kurz Stille, dann Moderatoren mit Grafiken. Das Wort historisch fällt siebenmal in vier Minuten. Das Telefonat zwischen CDU und AfD dauert nicht lang. Später rekonstruiert: Die CDU stellt den Kanzler oder es gibt keine Koalition. Weidel schweigt kurz. Dann: „Welche Ministerien?" Innenministerium: AfD. Justizministerium: AfD. Landwirtschaft und Heimat: AfD. Wirtschaft und Verteidigung: CDU. Außenministerium: CDU. Auf Druck der EU. CDU Fraktionssitzung: „Wir haben 30 % nicht gewählt. Wir haben verhindert, dass 30 % regieren ohne Kontrolle." Pause. „Wir sind die Kontrolle." Niemand widerspricht. Einige glauben es sogar. Frühling 2029. Rote Linien werden nur kurz verteidigt. Dann wird das Staatsbürgerschaftsrecht reformiert. Die Moderaten stimmen zu. Sie hätten Schlimmeres verhindert. Das Schlimmeres-verhindern-Argument wird das Hauptargument der nächsten Jahre. 2030 wird der Verfassungsschutzpräsident ausgetauscht. Der ÖRR „entbürokratisiert”. Ein Satiriker macht einen Witz. Der Sender bekommt eine Strukturprüfung. Mehr Druck und Drohungen folgen. SPD jetzt bei 9 %. Die Grünen gelten als Beweis, warum es keine Alternative gab. „Die Verbotspartei. Wollt ihr die zurück?” funktioniert immer. Demonstrationen gibt es. Die Regierung nennt sie „das laute aber kleine Milieu der Hauptstädte”. NGOs werden verboten. 2031, zwei Jahre nach der Wahl, will die AfD mehr. Die CDU liefert mit Rahmensatz: „Im Rahmen unserer freiheitlichen Grundordnung.” Ein CDU-Abgeordneter verweigert die Zustimmung. Er wird versetzt. Körperschaftssteuer „vorübergehend ausgesetzt”. Stattdessen: freiwillige Unternehmensbeiträge zum „Deutschen Aufbaufonds”. Wer zahlt, bekommt Genehmigungen schneller. BMW überweist 40 Millionen in den Fonds. Pressemitteilung: „Gesellschaftliche Verantwortung.” Ein neues Kulturministerium. Zuständig: „Identität und Heimat”. Die Kunstfreiheit steht noch im Grundgesetz. Die Förderanträge entscheiden jetzt andere. Documenta bekommt 60 % weniger. Intendanten telefonieren vor Premieren diskret mit dem Ministerium. „Nur um Missverständnisse zu vermeiden.” Regisseure schreiben Stücke, die früher anders geklungen hätten. Ein Dramaturg kündigt und verlässt das Land. In Brüssel blockiert Deutschland Entscheidungen zur Rechtsstaatlichkeit. Begründung: „Nationale Souveränität.” Deutschland zahlt 22 % des EU-Budgets. Eine Bemerkung beim Abendessen: „Wir müssen über den Beitrag neu nachdenken.” Die Kommission zieht Verfahren zurück. Die EU-Grundrechtecharta wird „reformiert”. Artikel gestrichen, andere „präzisiert”. Es braucht Einstimmigkeit. Jedes Land hat einen Grund. Deutschland liefert die juristische Eleganz. Ungarn hatte es früher versucht und gescheitert. Mit Berlin geht es durch. Im Herbst 2031 werden Sanktionen gegen Russland „evaluiert”. Eine nach der anderen fällt weg. Die Ukraine protestiert. Der Außenminister von der AfD sagt: „Frieden braucht Gesprächskanäle.” Eine neue Pipeline. Anderer Name, gleiche Abhängigkeit. Die Wirtschaftslobby ist dafür. Energiepreise sinken kurzfristig. Die baltischen Staaten verlassen drei EU-Gremien aus Protest. Kleine Länder, sagt ein CDU-Sprecher. Geheimgespräche in Wien. Später rekonstruiert durch Leaks. Russland akzeptiert die seit 2028 geltenden Waffenstillstandslinien und behält 23 % der Ukraine. Deutschland nennt es „europäische Friedensarchitektur”. Selenskyjs Nachfolger unterschreibt unter Druck. Das Klimaschutzgesetz wird „realitätsnah angepasst”. 2045 als Zieldatum gestrichen. Neues Ziel: „klimaneutral wenn möglich”. Der Satz steht im Gesetz. Juristen reiben sich die Augen. Die AfD feiert. Die CDU sagt: Wir haben Schlimmeres verhindert. Drei Kohlekraftwerke gehen wieder ans Netz wegen der „Versorgungssicherheit”, sagt das Ministerium. Temporär. RWE schweigt und investiert. Die Dörfer, die für die Tagebaue abgerissen wurden, existieren nicht mehr. Dafür gibt es jetzt wieder Arbeit im Tagebau. 2032 wird der Sachverständigenrat für Klimafragen „verschlankt”. Neue Mitglieder: wirtschaftsnäher, ausgewogener. Alte Mitglieder nicht wiederberufen. Wissenschaftler verlassen das Land. Noch im selben Jahr folgt die Quittung: Jahrhundertflut. Drittes Jahr in Folge. Versicherungen zahlen nicht mehr. Staatskosten: 80 Milliarden. Das Ministerium für Heimat und Wetter spricht von „Naturereignissen”. Das Wort Klimawandel fehlt in der Pressemitteilung. Juni, Juli, August, September. Vier Hitzewellen, keine Pause dazwischen. 41 Grad in Hamburg. 43 in Leipzig. Krankenhäuser melden Überlastung ab Tag drei. Kühlzentren öffnen in Turnhallen. Ernte -34 %. Gemüse, Getreide, Obst. Supermarktpreise steigen wöchentlich. Energiekosten durch Klimaanlagen explodieren. Ein Ökonom nennt es öffentlich Klimainflation. Der Begriff erscheint zwei Tage in den Medien. Dann kommt eine Ablenkung. Bundesärztekammer, 14. August. Pressekonferenz. Forderung: temporäre Ausgangsbeschränkungen tagsüber für Risikogruppen, Schulschließungen bei über 39 Grad, Arbeitspflicht ausgesetzt ab 38 Grad. Begründung: 2.300 Hitzetote in sechs Wochen. Medizinisch eindeutig. Politisch: eine Steilvorlage. Innenminister der AfD antwortet noch am selben Tag. Kein Lockdown. Freiheit ist nicht verhandelbar. Die CDU nickt einen Tag später, vorsichtiger formuliert: „Der Staat vertraut den Bürgern." Ende Sommer 2032. 6.800 Hitzetote. Übersterblichkeit, statistisch erfasst, amtlich bestätigt, offiziell veröffentlicht. Keine Pressekonferenz und auch kein Staatsakt. „Wer arbeitet, dem geht es gut.” Die Regierung sagt es auf jedem Podium. Bürgergeld endgültig abgeschafft. Neues System: „Grundsicherung mit Gegenleistung.” Fair. Bedeutet: Wer nicht erscheint, bekommt nichts. Wer krank ist, bekommt nichts. Armut wird individualisiert. Alles nur noch Einzelschicksale, Einzelversagen. Tafeln boomen. Der Staat spart. Kirchen springen ein. Die Regierung lobt das deutsche Ehrenamt. Billiger als Sozialpolitik. Privatversicherung boomt. Kassenleistungen werden gekürzt und „priorisiert”. Zahnersatz, Psychotherapie, Reha: Nur für Selbstzahler. Wer es sich leisten kann, merkt nichts. Wer nicht, der wartet. Auf Termine, auf Bescheide, auf Widerspruchsverfahren. Obdachlose verschwinden aus Innenstädten. Platzverweise, Aufenthaltsverbote, neue Ordnungssatzungen. Sauber und sicher, sagt die Stadtpolitik. Wo die Menschen genau sind: keine Pressemitteilung. Herbst 2032, Landtagswahlen. Thüringen 47 %, Sachsen 45 %, Brandenburg 43 %, Sachsen-Anhalt 41 %, Mecklenburg-Vorpommern 38 %. Fünf Ministerpräsidenten der AfD. Fünf Länder blau. Ein Kommentator sagt „historisch". Die Kandidaten der AfD sind jung, rhetorisch geschliffen, unideologisch wirkend. Keiner trägt Springerstiefel. Einer hat Kinder im Waldkindergarten. Einer spricht über Heimat. Alles kalkuliert. Funktioniert immer. Ein Soziologe fährt durch Sachsen. Interviewt Menschen. Eine Frau, 58: „Ich hab die nicht gewählt weil ich rechts bin. Ich hab die gewählt weil endlich mal jemand zuhört und aufräumt. Die Sachen anpackt. Überall faules Pack und Gesindel." Drei westliche Länder folgen. Keine absoluten Mehrheiten aber Koalitionen, mit wem auch immer. Die CDU dort sagt: Wir hatten keine Wahl. Der Satz ist inzwischen ein Reflex. Im Bundesrat eine neue Mehrheit. Gesetze die vorher scheiterten, passieren jetzt. Gesetze die vorher passierten, scheitern jetzt. „Lager” heißt schlicht „Ausreisezentrum”. „Abschiebung” heißt „begleitete Rückführung”. „Pushback” heißt „Grenzschutzmaßnahme”. Die Begriffe landen in der Tagesschau, sind bald normal. Erste Ausreisezentren außerhalb der Städte. Ehemalige Werkshallen. Umgebaut. Zugang für NGOs nur nach Anmeldung. Die Anmeldung dauert drei Wochen. Handyverbot, Gemeinschaftsunterkünfte, keine Rechtsberatung vor Ort. Abkommen mit zwei nordafrikanischen Staaten. Wer ankommt, wird dorthin geflogen. Die Menschenrechtslage „wird beobachtet”. Die EU-Kommission hat Bedenken. Deutschland verweist auf nationale Souveränität. Eine Umfrage: 58 % finden die Migrationspolitik „angemessen”. Dieselben Menschen finden Pushbacks „zu hart” aber „Grenzschutzmaßnahmen” finden 61 % richtig. Die Regierung sieht sich auf Kurs. Neues Sicherheitspaket. 847 Seiten, drei Tage Lesezeit: Vorratsdatenspeicherung, biometrische Echtzeiterkennung, Quellen-TKÜ ohne Richtervorbehalt. Begründung: organisierte Kriminalität. Anwendung: breit. Schleierfahndung bundesweit ausgeweitet. Kein Anfangsverdacht nötig. Statistik: 73 % der Kontrollierten haben Migrationshintergrund. Das AfD-Ministerium nennt es „risikobasiert”. Ein Gericht nennt es verfassungswidrig. Die Berufung läuft aber dauert. Es heißt „phänotypisches Risikoprofil". Der Algorithmus wurde in Israel entwickelt, in Ungarn getestet, in Deutschland lizenziert. Ausschreibung: technisch, unauffällig. Kein Journalist liest das noch. Berlin, Hauptbahnhof. Erst Pilotprojekt. Dann Regelbetrieb. Dann selbstverständlich. Die Kameras erkennen Gesichter in Echtzeit: Alter, Geschlecht, Herkunftsregion. „Herkunftsregion" steht im Gesetz. Nicht Hautfarbe. Herkunftsregion. Ein Arzt, Mitte vierzig, geboren in Köln, Eltern aus Ghana. Wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen am selben Bahnhof kontrolliert. Unterschiedliche Beamte. Dieselbe Kamera. Er beschwert sich schriftlich. Antwort nach sechs Wochen: Das System arbeite „regelkonform". Ein Informatiker veröffentlicht eine Analyse. Peer-reviewed, methodisch sauber, eindeutig: Der Algorithmus diskriminiert systematisch. Die Studie wird zitiert. In der taz, im Spiegel, einmal kurz in der Tagesschau. Das Innenministerium antwortet: Man nehme Hinweise ernst. Ein parlamentarisches Kontrollgremium tagt. Geheim. Die Akten kommen später, schwärzer, lückenhafter. Ein Mitglied tritt aus dem Gremium aus, per Brief. Der Brief wird kurz diskutiert und verschwindet in der Nachrichtenlage. AfD-Parteitag. Erfurt, November 2032. Höcke betritt die Bühne. Weidel hat drei Tage vorher „aus persönlichen Gründen" verzichtet. Chrupalla schweigt. Der Applaus dauert vier Minuten. Höcke hat gelernt. Kein Biologismus mehr, kein offener Revisionismus. Stattdessen: Systemkritik, Souveränität, Volkswille. Die Rhetorik ist geschliffener, die Inhalte dieselben, die Verpackung neu. Höcke war persönlich als Rechtsextremist eingestuft. Aktenkundig. Er ist jetzt Parteivorsitzender einer Regierungspartei. Der Verfassungsschutz schweigt drei Tage. Dann ein Statement: Man beobachte die Entwicklung. Ende 2032. Die Koalition wird neu verhandelt. Die Umfragen liefern einen Grund. Höcke stellt andere Bedingungen als Weidel. Die CDU nennt es Kontinuität sichern. Niemand sagt mehr rote Linien. Es wurde nur noch peinlich. Umfragen zur kommenden Bundestagswahl 2033. AfD unter Höcke: 34 %. CDU: 22 %. Die Arithmetik hat sich verschoben. Die CDU braucht die AfD mehr als umgekehrt. Höcke weiß das. Die Verhandlungen beginnen bevor die Wahl stattgefunden hat. Nur eine Formalität. Januar 2033 in Berlin, 200.000 Menschen. Legal angemeldet. Aber Lautsprecherwagen ohne Genehmigung: Auflagen verletzt. Auflösung nach zwei Stunden. Rechtmäßig, sagt die Polizei. Unverhältnismäßig, sagt das Gericht. Acht Monate später. Der Verfassungsschutz legt eine neue Kategorie an: „Demokratiegefährdende Bestrebungen links”. Rechtsgrundlage: neu geschaffen, knapp verfassungskonform. Wer drin steht, bekommt keinen Staatsjob oder verliert den alten. Polizeikongress in München. Ein Vertreter der AfD hält die Eröffnungsrede. Sicherheit sei die Grundlage aller Freiheit, sagt er. Applaus. Freiheit als Ergebnis von Sicherheit. Kaum jemand bemerkt den Unterschied. Frühjahr 2033, Interviews. Drei CDU-Abgeordnete, verschiedene Sender, dieselbe Woche. Keiner sagt Spahn muss weg. Alle sagen „wir brauchen eine offene Debatte über den Kurs." In der CDU bedeutet offene Debatte: Es läuft nicht. Drei Tweets von Accounts des Weißen Hauses an einem Tag. Inhalt: Spahn sei zu schwach, die CDU zu zögerlich, Deutschland brauche jemanden mit Rückgrat. Das Wort verlinkt auf Höcke-Interviews. Algorithmen besorgen den Rest. Morgens ist es Gesprächsthema. Geleakte Chatverläufe, Herkunft unklar, Echtheit unbestritten. CDU-nahe Unternehmer, ein russischsprachiger Vermittler, Gespräche über „politische Neuausrichtung nach der Wahl." Der Schaden ist da bevor die Prüfung beginnt. Hybride Einflussnahme. Juni 2033. Pressekonferenz nach Präsidiumssitzung. Spahn tritt ans Mikrofon. Ruhig, kontrolliert: „Ich werde nach der Wahl entscheiden ob ich weitermache. Das Ergebnis wird meine Antwort sein." Pause. „Deutschland verdient Klarheit." Juli 2033. Höcke beobachtet. Er gibt keine Interviews in diesen Wochen. Er postet täglich, kurz, ruhig. Bilder aus dem Osten, Worte über Heimat, gelegentlich ein Satz über „politische Führungsstärke". Höcke muss nichts weiter tun. Die CDU erledigt den Rest selbst. Sechs Wochen vor der Wahl. Umfragen: AfD 34 %. CDU 20 %. Die Lücke wird größer. Zum ersten Mal wird in Talkshows ernsthaft gefragt ob Spahn Kanzler bleiben kann wenn Höcke so viel stärker ist. Demokratien sterben leise. September 2033. Die Sprache kippt. CDU-Plakate: „Remigration konsequent umsetzen." Das Wort stand vor zwei Jahren noch auf der Beobachtungsliste des Verfassungsschutzes. Jetzt klebt es auf Litfaßsäulen. Ein CDU-Sprecher erklärt es als „Sachbegriff". Eine Lehrerin in Leipzig erhält Briefe. Eine Bürgermeisterin in Freiburg braucht Personenschutz. Reihenweise Lokalpolitiker der SPD ziehen ihre Kandidatur zurück. Manchmal mit einem kurzen Statement über „familiäre Gründe." Die Statistik zu politisch motivierter Gewalt steigt. Die CDU fordert härtere Abschiebegesetze als die AfD. Live, im ZDF, 20:15 Uhr. Der Moderator fragt wo sie sich noch von der AfD unterscheide. Hinterher sagen Berater es sei stark gewesen. Die Umfragen am nächsten Morgen sagen etwas anderes. Wer das Original imitiert, verliert gegen das Original. Die Opposition kämpft gegen ein System, das seine eigene Demontage ordentlich protokolliert hat. Parlamentarier der CDU lächeln gezwungen in jede Kamera. Wahlabend, 18 Uhr. Die Prognose erscheint. ARD-Studio, Stille, dann Zahlen. AfD: 35,7 % CDU: 20,2 % SPD: 9,8 % Grüne: 8,1 % Die Linke 7,3 % BSW: 5,3 % FDP: 3,1 % Sonstige: Rest Beteiligung: 57 %. Niedrigster Wert seit 1949. Ein Kommentator beginnt zu sprechen. Spahn tritt vor seine Partei. Der Saal ist still. Er spricht sieben Minuten. Er sagt er übernehme Verantwortung. Er sagt er trete zurück. Er sagt Deutschland werde stark bleiben. Die CDU zerbricht live. Noch in der Nacht. Ein Abgeordneter aus München twittert: „Die CDU als Volkspartei existiert nicht mehr." Ein anderer antwortet: „Sie hat sich selbst zerstört." Ein dritter, Mitglied seit 31 Jahren, gibt um 23:47 Uhr seinen Austritt bekannt. Dann eine Gruppe aus NRW. Söders Nachfolger tritt vor die Kameras in München. Neue Partei. Neuer Name: „Deutsche Union". Tritt bundesweit an: „für alle Konservativen die eine Heimat suchen." Erster bundesweiter Auftritt: Kundgebung in Dortmund. Leidglich 340 Menschen. Zweiter in Hamburg: Nur 180. Elf ehemalige CDU-Abgeordnete wechseln zur AfD. Manche mit kurzem Statement. Einer mit einer langen Begründung über „Volksnähe" und „Realismus." Er war vor vier Jahren noch für den Verfassungsschutz zuständig. November 2033. Höcke wird Kanzler. Koalitionsvertrag: AfD und Deutsche Union. Genug für die Mehrheit. Höcke braucht sie kaum. Aber er nimmt sie. Legitimität hat viele Formen. Eine Mehrheit ist eine Mehrheit. Vereidigung, Berliner Reichstag. Höcke legt die Hand auf das Grundgesetz. Er spricht langsam, deutlich. Er schwört, die Verfassung zu schützen. Draußen vor dem Reichstag: Demonstranten, 80.000. Laut, friedlich aber verzweifelt. Höcke sieht sieht sie und lächelt. Die CDU, eine Partei die Adenauer gebaut hat. Die die Bundesrepublik stabilisiert hat. Die Wiedervereinigung verwaltet hat. Die Merkel und Merz überlebt hat. Die dann an sich selbst gestorben ist. Dezmeber 2033. Außerordentlicher Parteitag der CDU. 340 Delegierte statt 1001. Ein letzter Vorsitzender hält eine Rede über Erneuerung. Das Wort Erneuerung hat die CDU seit 1998 auf jedem Parteitag verwendet. Die Partei löst sich nicht auf. Sie schrumpft. Wird regional. Irrelevant. Höcke steht in Erfurt. Dort, wo es begann. Vor seiner Partei, vor einer Menge, die jubelt. Er spricht über Vollendung. Über das, was vor Jahren angekündigt wurde. Er zitiert den Satz mit dem Jagen und sagt: „Wir mussten sie nicht jagen, sie haben sich selbst erlegt." Und lächelt.