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Florentine Dömges
Florentine Dömges

Warum ist die AfD erfolgreich? Viele sagen: Migration, ökonomische Sorgen, Protest. Doch das erklärt nur Symptome. Der Kern ihres Erfolgs liegt tiefer: Identität als Machttechnik. Identität ist keine Nebensache. Sie ist die unsichtbare Währung politischer Ordnung. Wer Identitäten definiert, bestimmt, wie Menschen sich selbst verstehen, wem sie vertrauen und was sie für „wahr“ halten. Kapitalismus hat das vorgemacht: Wir kaufen keine Produkte, sondern Identitäten. Apple = „kreativ, anders“, Mercedes = „Macht & Status“. Die Ware ist nur Trägerstoff. Die eigentliche Macht liegt darin, Identitäten knapp und begehrenswert zu machen. Die AfD übersetzt diese Logik in Politik. Sie verkauft keine Lösungen, sondern Selbstbilder. Sie macht Identität wieder knapp: „Ihr werdet bedroht, ihr verliert euch, nur wir geben euch euer Wir zurück.“ Damit verschiebt sie die Knappheit: nicht mehr Wohlstand, nicht mehr Information – sondern die Frage: „Wer sind wir?“ Indem sie Identität als knappes Gut inszeniert, zwingt sie Menschen, bei ihr zu kaufen. Wer dieses Angebot annimmt, überträgt der AfD ein Deutungsmonopol. Sie darf die Linien ziehen: Wir hier – die Anderen dort. Genau hier entsteht ihre Macht: Wer Grenzen der Zugehörigkeit zieht, kontrolliert, wer zählt und wer nicht. Diese Macht ist subtiler als Gewalt und härter als Geld. Sie wirkt wie ein Filter: Alles, was Menschen sehen, fühlen, entscheiden, läuft durch die identitäre Brille. Migration, Energiepreise, Kriminalität – alles wird Teil der einen Frage: „Bist du noch drin im Wir?“ Hierarchien entstehen immer, wenn Knappheit da ist. Und die AfD hat eine Knappheit erzeugt, die existenzieller wirkt als jede ökonomische: die Knappheit an Sicherheit im Selbstbild. Wer diese Knappheit kontrolliert, kontrolliert die Pyramide. Das erklärt auch ihre Stabilität: Protest verblasst, Programme enttäuschen, aber Identität sitzt tief. Wer seine Identität von der AfD bestätigen lässt, bleibt gebunden – selbst wenn die Partei widersprüchlich ist. So verschiebt die AfD das politische Spielfeld. Andere Parteien reden über Zahlen, Maßnahmen, Programme. Die AfD redet über Identität. Und weil Identität die Grundlage ist, bestimmt sie damit automatisch die Arena, in der die Auseinandersetzung stattfindet. Das erzeugt eine paradoxe Macht: Auch ihre Gegner spielen nach ihren Regeln. Denn sie müssen auf ihre Frames reagieren – Migration, Nation, Kultur – Themen, die nur deshalb zentral sind, weil die AfD sie zu Identitätsmarkern gemacht hat. Man kann es so zuspitzen: Die AfD hat nicht die Macht, Probleme zu lösen. Aber sie hat die Macht, Realität zu definieren. Denn wer Identität kontrolliert, entscheidet, was überhaupt als „Problem“ gilt. Das ist mehr als Politik. Es ist eine Form von Herrschaft, die ähnlich funktioniert wie Religion oder Marken. Menschen erleben die Zugehörigkeit zur AfD nicht als Zwang, sondern als Befreiung: „Hier weiß ich wieder, wer ich bin.“ Diese Macht basiert auf einem uralten Muster: Herren sind die, die Identität aktiv gestalten. Sklaven sind die, die Identität nur konsumieren. Die AfD spielt hier die Rolle des „Identitätsarchitekten“ – und das verschafft ihr Herrschaft über ihre Anhänger. Fazit: Der Erfolg der AfD lässt sich nicht durch Migration, Ökonomie oder Protest erklären. Er liegt darin, dass sie Identität wieder knapp macht, ihre Deutungshoheit darüber beansprucht – und damit eine Macht ausübt, die tiefer greift als Programme. Wer die AfD wirklich herausfordern will, darf sich nicht auf Zahlen oder Sachpolitik verlassen. Man muss ihr die Kontrolle über die Knappheit von Identität entreißen – und ein eigenes, stärkeres „Wir“ anbieten. bsky.app

Florentine Dömges
Florentine Dömges10/13/25

Ok, wie würde das aussehen? Konkret. Praktisch. In Deutschland. Eine Partei. Ein Programm. Eine Strategie. Thread über "Die Starken". 🧵

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