Natürlich ist der Strandkorb an sich nicht das Problem. Und sicherlich kann man über die mediale "Empörung" irritiert sein. Vielleicht hilft es, sich mal wieder mit Aristoteles zu beschäftigen. 1/ Für Aristoteles ist das Ethos – der moralische Charakter des Redners – das wirksamste Überzeugungsmittel überhaupt. Wenn ein Politiker von den Bürger*innen Opfer, Fleiß und Verzicht fordert, während sein eigenes Ethos durch Berichte über Lobby-Verstrickungen 2/ oder den Eindruck von abgehobener Dekadenz beschädigt ist, entsteht eine unheilbare rhetorische Dissonanz. Die politische Konsequenz: Wenn das Ethos der Regierenden (Amthor/Merz) nicht mit den ethischen Forderungen an die die Bürger*innen übereinstimmt, 3/ verliert die politische Rede ihre Legitimität. Aristoteles warnt in der Politik genau vor solchen Dynamiken: Wenn die Leute das Gefühl haben, die "Elite" lebe in Privilegien, während sie selbst zur Arbeit angetrieben wird, schwindet (laut ihm sogar) die Stabilität des Staates. 4/ „Die Ursachen, weshalb die Bürger sich erheben [...], sind hauptsächlich zwei: Übermut (Hybris) und Gewinnsucht der herrschenden Klasse. Wenn nämlich die Regierenden übermütig werden und sich auf Kosten des Gemeinwesens bereichern, 5/ so empören sich die Bürger gegen sie und gegen die Verfassung, welche jenen eine solche Machtvollkommenheit gibt.“ (Aristoteles, Politik, Buch V, 1302b) 6/ Pathos kann in Wut und Trotz umschlagen, wenn die Sprache als Herabwürdigung empfunden wird. Logos wird vom beschädigten Ethos des Redners und negativem Pathos emotional überlagert.