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Kolkrabe of Doom
Kolkrabe of Doom

0/30 Wie versprochen, ein Raben-🧵 zur Beendigung von Lesestart 1-2-3, dem bundesweiten Programm zur frühen Sprach- und Leseförderung durch Karin Prien. Sparmaßnahme oder weiteres Instrument der Herrschaft des stratifizierten Post-Faschismus? Versuch einer (philosophischen) Erklärung. Anschnallen! 1/30 Sparen an der Bildung ist der beste Weg, um sich das Wahlvolk von morgen passgenau zurechtzustutzen. Wenn die Kleinsten schon nicht lesen lernen, glauben sie später jedenfalls jeden Quatsch auf Social Media. Vor allem rechte Propaganda & Unsinn. Ein genialer biopolitischer Geniestreich. 2/30 Das Bundesfamilienministerium unter Prien (zu Corona-Zeiten bereits unrühmlich) stellt Ende 2026 die Förderung für „Lesestart 1-2-3“ komplett ein. Warum auch Geld für Bücher verschwenden, wenn mensch den Haushalt konsolidieren muss? Prioritäten müssen schließlich sauber gesetzt werden. 3/30 Ab 2027 gibt es keinen Cent mehr für das Leuchtturmprojekt der Stiftung Lesen. Ein Hoch auf die administrative Logik jeder Projektförderung. Befristung ist eben heilig, da kann die intellektuelle Zukunft der Kinder absolut nicht mithalten. Die sollen auch schaffen fürs Kapital & nicht lesen! 4/30 Ganze 2,5 Mio Euro pro Geburtsjahrgang werden hier mühsam eingespart. Bei einem Gesamtbudget von über 16,6 Milliarden Euro im Ministerium ist das ein kolossaler Posten (ironic), der den Ruin der Staatskassen abgewendet hat. Chapeau. Es sind also nur Peanuts, ums Geld kann es nicht gehen. 5/30 Das System war einfach zu perfekt: Bücher direkt bei der U6- und U7-Untersuchung beim Arzt oder in Bibliotheken zu verteilen, hat alle Schichten erreicht. Genau da liegt wohl der Fehler. Echte Barrierefreiheit ist im Sparwahn unerwünscht. Vor allem soziale. Denn "Bildung für Alle" soll nicht. 6/30 Die offizielle Ausrede? Der akute Spardruck für 2027. Und natürlich der Hinweis, dass spätere Programme in der Grundschule das schon irgendwie auffangen werden. Wer braucht schon frühkindliche Basisarbeit, wenn mensch später reparieren kann? Das es nicht um Geld geht ist oben bereits erklärt. 7/30 Fachverbände & Verlagen schlagen Alarm. Wer keine Kita besucht, verliert durch das Aus beim Kinderarzt die einzige Chance auf frühe Alphabetisierung. Aber niemensch im Ministerium schert sich um diese ungemütlichen Realitäten. Oder doch? Vielleicht ist der Geist dahinter ein anderer... 8/30 Was wie ein simpler, technokratischer Kürzungsakt aussieht, entpuppt sich bei genauerer Analyse als astreine Herrschaftstechnik. Verknappung von Bildung stabilisiert die Machtverhältnisse ungemein. "Dumm" (korrekter wäre ungebildet da keine Korrelation) regiert es sich einfach entspannter. 9/30 Willkommen im Post-Faschismus nach G. M. Tamás. Da isser wieder. Keine Panzer auf den Straßen, sondern der ganz normale Wahnsinn in der liberalen Demokratie. Die universelle Staatsbürgerschaft wird klammheimlich durch den Entzug von Bildung demontiert. Haste was kriegste Bücher, ansonsten... 10/30 Früher war universelle Bildung ein emanzipatorisches Versprechen für alle. Heute privatisiert mensch den Zugang zu literalen Kompetenzen einfach wieder zurück ins familiäre Herkunftsmilieu. Wer arm ist, bleibt eben kognitiv abgehängt. In Deutschland ist es EU-weit am Schlimmsten, schon immer. 11/30 Die herrschende Klasse sichert sich das exklusive Monopol über ein hochdifferenziertes Vokabular. Grammatikalische Feinheiten als unüberwindbare Barriere für die Masse. Wer nicht mitreden kann, lässt sich viel leichter verwalten. Und versteht Zusammenhänge weniger, da Lesen So etwas fördert. 12/30 Das gesparte Geld kostet pro Kind gerade mal so viel wie ein Eis im Sommer. Währenddessen pumpt die Regierung unter Merz Milliarden in fossile Großkonzerne. Reiche freuts. Das Klima ist egal, die Bildung auch, aber Hauptsache die Kohle stimmt. Hah, schönes Wortspiel (hint hint). 13/30 Enzo Traverso hat es prophezeit: Demokratien sterben nicht durch einen lauten Staatsstreich, sondern durch schleichende innere Entleerung. Wenn die Textualität stirbt, triumphiert die Kultur der flüchtigen Bilder und der manipulierten Affekte. TikTok statt Kinder- & Jugendbuch. 14/30 Eine entlesene Bevölkerung analysiert keine Quellen mehr, sondern reagiert nur noch auf billige Reize. Perfektes Substrat für reaktive Mobilisierung durch extrem rechte Akteure, die post-faschistische Schwarze Pest inkludiert. Die Saat der "Dummheit" geht am Ende politisch wunderbar auf. 15/30 Nach Michel Foucault unterdrückt Macht das Wissen nicht, sie produziert eine ganz neue Realität. Ein anderes Wissen. Die Abschaffung der Leseförderung ist kein Versehen, sondern die gezielte Produktion von gefügigen Subjekten ohne Selbstführungskapazität. Ein Werkzeug der Unterdrückung. 16/30 Das alte System wollte noch qualifizierte Körper für die Fabrik herstellen. Das neue Dispositiv nimmt sinkende Lesekompetenzen bei einem Viertel der Kinder achselzuckend in Kauf. Kritische Selbstreflexion wird so im Keim erstickt. Die sollen malochen, am besten nach wenigen Schuljahren! 17/30 Wer komplexe Texte nicht versteht, kann auch keine Techniken des Selbst praktizieren oder organisierten Widerstand artikulieren. Strukturelle Unmündigkeit als Staatsziel: Die Masse wird vom Subjekt zum reinen Objekt staatlicher Verwaltung. Das am Ende sogar über Tod und Leben entscheidet. 18/30 Karin Prien, zu Corona-Zeiten bereits als Kinderfeindin berüchtigt, erklärt uns derweil eiskalt, dass niemensch einen Anspruch auf Projektförderung hat. Die Regierung bestimmt die Prioritäten. Eine wunderbare technokratische Immunisierung, die strukturelle Bildung zur reinen Gnade degradiert. 19/30 Wissen und Macht bedingen sich eben wechselseitig wie Michel Foucault zeigte. Konzentriert mensch das literale Wissen in einer kleinen, reichen Elite, bleibt die Macht auch genau dort. Die kognitiv deprivierte Masse darf dafür den ganzen bürokratischen Lärm machen. 20/30 Deleuze beschrieb den Wandel zur Kontrollgesellschaft. Statt stabiler innerer Autonomie verlangt das System heute nach dem flexiblen Dividuum. Aufmerksamkeit und Affekte werden permanent durch algorithmische Datenströme moduliert. Das macht es dem stratifizierten Post-Faschismus leichter. 21/30 Konzentriertes Lesen von Büchern ist subversiv, weil es Zeit erfordert & kognitive Distanz schafft. Das passt überhaupt nicht in die Logik der permanenten digitalen Taktung. Also weg mit lästiger analoger Leseförderung. Wer braucht Kinder bzw Menschen, die abstrahieren können, gefährlich! 22/30 Das de-literarisierte Kind ist den Reizen der digitalen Aufmerksamkeitsindustrie schutzlos ausgeliefert. Perfekt dressiert für Konsum, unfähig zur Medienkritik. So züchtet mensch sich die idealen User*innen für den Plattformkapitalismus, eine der Ebenen des stratifizierten Post-Faschismus. 23/30 Karin Prien reist nach Paris, um über digitalen Jugendschutz und Social-Media-Verbote zu schwadronieren. Gleichzeitig streicht ihr Ministerium daheim die Basis für genau die literale Resilienz, die Kinder in der digitalen Welt bräuchten. Das ist kein Widerspruch, sondern Absicht. 24/30 Wir erleben den glorreichen Übergang von der sozialen Unterwerfung zur maschinellen Knechtschaft. Der Mensch fungiert nicht mehr als eigenständiges Gegenüber, sondern wird als funktionales Bauteil direkt in kybernetische Netze eingespeist. Und Strategien wie von Prien sind dafür nützlich. 25/30 Das dequalifizierte Dividuum dekonstruiert keine grammatikalischen Kodierungen des Marktes mehr. Es absorbiert die Befehlsworte der Algorithmen mechanisch & reibungslos. Subversive Fluchtlinien werden gar nicht erst im Gehirn verdrahtet. Wie auch. Es fehlen die Basics, die Grundlagen. 26/30 Jacques Rancière nennt das "systematische Verdummung": Eine Intelligenz wird der anderen untergeordnet. Das Ministerium praktiziert das perfekt, indem es die Alphabetisierung auf ein vages Später in der Grundschule vertröstet. Reine Schikane. Reines Erzeugen des neuen Prekariats. 27/30 Diese bürokratische Vertagung ignoriert das biologisch sensibelste Zeitfenster für den Spracherwerb. Wenn die Kinder erst in der Schule ankommen, ist die kognitive Kluft längst unüberwindbar. Die Aufteilung des Sinnlichen funktioniert tadellos. So wird bereits in den ersten Jahren zementiert. 28/30 Der Verlust von Wissen durch Externalisierung in Apparate führt direkt in die symbolische Misere, wie Bernard Stiegler analysierte. Ohne Schrift als Heilmittel wird der Geist komplett an die gierige Marketingindustrie ausgeliefert. Lesen ist eine Fluchtlinie, es ist Deterritorialisierung! 29/30 Diese systemische "Dummheit" ist der Treibstoff für den Aufstieg der post-faschistischen Ideologie, Union inkludiert. Wer keine Symbole zur Artikulation hat, flüchtet in Hass & nationale Narrative. Das Ministerium züchtet sich seine eigene reaktive & reaktionäre Basis. 30/30 Doch die noetische Proletarisierung ist instabil. Sogar der Bundesverband der Freien Berufe jammert über den Fachkräftemangel. Der ist bei Spezialist*Innen real. Das System zerstört durch die Ökonomie der Entlesung am Ende seine eigene Basis und wird absolut unregierbar. Capitalism will fall. 31a Eine Neuerung! Da ich mir bewusst bin, daß ich mit vielen Begriffen vieler Philosoph*Innen & anderer viel schlauerer Geister als ich es bin rumwerfe, ein paar Erläuterungen zu den Konzepten im Thread anhand des Contents erklärt: 31b Biopolitik: Die staatliche Regulierung des nackten Lebens. Statt physischer Gewalt entzieht mensch der Bevölkerung hier einfach kognitive Fähigkeiten. Wer nicht richtig lesen lernt, wird vom aktiven Subjekt zum formbaren biologischen Material. Eine extrem saubere Verwaltungstechnik. 31c Post-Faschismus (nach Tamas & Traverso et alii): Evolution des Totalitarismus für die Tinder-Generation. Keine Panzer, sondern schleichende innere Entleerung der Demokratie von innen heraus. Formelle Wahlen bleiben zur Unterhaltung, während die universelle Staatsbürgerschaft stillgelegt wird. 31d Noetische Proletarisierung: vom griechischen noesis für „Denken“ ) Der systematische Verlust des eigenen Denkens durch Auslagerung des Geistes an Technik. Mensch nutzt Medien nicht mehr, sondern wird von ihnen benutzt. Am Ende bleibt ne wunderbar steuerbare, symbolisch verarmte Masse. 31e Kontrollgesellschaft: Das Update der alten Disziplinargesellschaft. Keine starren Mauern mehr, sondern flüssige, permanente Modulation. Das System braucht keine kritischen Köpfe, sondern das flexible Dividuum, dessen Aufmerksamkeit im Sekundentakt algorithmisch gecodet wird. 31f Systematische "Verdummung": Wenn eine Intelligenz der anderen untergeordnet wird, um Hierarchien zu zementieren. Ministerium vertröstet Kinder auf ein vages Später, um kognitive Kluft zwischen Klassen uneinholbar zu vergrößern. Gleichheit wird so auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertagt. 31g "Verdummung" vs "Intelligenz" vs "Bildung": Nie vergessen: Diese Begriffe sind schwammiger als viele denken & nur indirekt verbunden & können ableistisch mißbraucht werden. Gebildete Menschen können extreme Hohlfritten sein (mois!), Ungebildete extrem intelligent. Bildung aber betrifft alle.

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