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Akrotelm 🌾
Akrotelm 🌾

Guten Morgen! 🌤 Während in D wohl der Schneesturm droht hat es mich für einige Tage in die Sierra del Rincón in 🇪🇦 verschlagen. Werde hier dann ein paar Eindrücke von Flora 🪻, Vegetation 🌳 & Landnutzung 🐐🐑 skeeten. Bin gespannt, ist auch für mich eine bisher kaum bekannte Landschaft 🫠.

Und auch viele für mich neue Arten 🥰 Hier Pyrenäen-Eiche (Quercus pyrenaica). Eine sommergrüne Art, die in den Gebirgen der iberischen Halbinsel weit verbreitet ist, (aber in den Pyrenäen irritierenderweise fehlt 🤷‍♂️). /2/

Landschaftseindruck. Das Dorf im Tal, an den Hängen die Weiden 🐐🐑🐮 und oben an den Gipfeln riesige Kiefernplantagen 🌲🌲🌲 aus der Franco-Zeit. Diese aus der hier wohl nicht autochtonen Wald-Kiefer (Pinus silvestris) und heutzutage ein großes Problem, da sie regelmäßig abbrennen 🌲🔥. /3/

Das Dorf hat wie viele andere in der Sierra einen starken Strukturwandel durchgemacht. Die meisten Menschen sind alt, nur noch wenige machen Landwirtschaft, Häuser sind verfallen oder meist leerstehende Ferien-/wochenendhäuser für reiche Leute aus Madrid. /4/

Es wird gesagt, dass es vor ~40 Jahren allein in diesem Tal/Dorf noch 10.000-15.000 Stück Vieh gab. Heute gibt es noch ca 1000 Schafe 🐑 & Ziegen 🐐, Rinder gar nicht mehr. Die Folge: Starke Verbuschung der alten Weiden, Verlust an Biodiversität (und tatsächlich auch immer größere Brandgefahr 🔥) /5/

Aber es gibt auch noch große, richtig tolle Weideflächen. Strukturreich, und man ahnt die enorme Artenvielfalt, die hier im Frühling ersichtlich werden wird... /6/

Anfang Januar ist auch in Südeuropa auf 1200 m NHN wenig zu sehen...oft ist nur "Leichenbestinmung" möglich. Hier ein Sonnenröschen (Helianthemum sp.) und mutmaßlich Filago sp. (Filzkraut) & eine Nelken-Haferschmiele (Aira sp.). Und die ersten Orchideen 🪻 stecken ihre Blätter raus... /7/

Im Tal der Fluss. Mit Galerie-Auwald aus Schwarz-Erle (Alnus glutinosa, wie bei "uns") und Schmalblättriger Esche (Fraxinus angustifolia). /7/

Spannend: Die bachnahen Flächen wurden früher meist für den Gemüsegarten 🌶🥕🥒🧅 genutzt. Heute nur noch vereinzelt, der Rest Grünland, meist für Heu für Winterfütterung. Oder verbuscht und bewaldet. /8/

Die Gemüsegärten werden dabei über ein uraltes, aber irgendwann in den 90er Jahren modernisiertes, Bewässerungssystem versorgt. 👉 Wasser aus dem Bach wird über künstliche Kanäle in die Gärten geleitet. /9/

Aber wie gesagt: es wird nur noch ein geringer Teil des Landes so bewirtschaftet, wie es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Damals hat sich das Dorf selbst versorgen können, heute wird, wie überall sonst, einfach in den Supermarkt auf der anderen Seite der Berge gefahren. /10/ Tatsächlich versuchen aber agrarökologisch interessierte junge Leute in der Region zu kommen und Landwirtschaft zu betreiben. Problem: Sie kommen kaum an Wohnraum und Platz für eine Hofstelle, da die Eigentümer lieber an reiche Leute aus Madrid verkaufen, die sich Wochenendhäuser einrichten. /11/ Die Eigentümerstruktur ist dabei, wie bei uns, historisch gewachsen & kompliziert, auch viele Erbengemeinschaften usw. Für Tierhaltung 🐐🐑🐮 aber förderlich: 👉 große Bereiche, die als #Allmende bewirtschaftet werden. Außerdem #Transhumanz-Routen, die per Gesetz "den Tieren" gehören. /12/

Ein Charakteristikum aller Weiden 🐮🐑🐐 hier sind die teils uralten Pyrenäen-Eichen, die historisch regelmäßig gescheitelt wurden. Sozusagen #Kopf-Eichen. Warum? 👉 Feuerholzgewinnung, aber auch als Futter 🍃 für die Tiere im Sommer. Das ist infolge des Strukturwandels immer weniger passiert und... /13/

...wurde irgendwann sogar vom Forstamt verboten, die argumentierte, dass es den Bäumen schaden würde... Aktivist:innen haben in Kooperation mit der Universität nach langem Kampf durchsetzen können, dass es wieder passiert und nun wurden auf großen Teilen der Weiden die 🌳 wieder gescheitelt.👌 /13/

Die andere häufige Eichenart hier: die im westlichen Mittelmeerraum typische Steineiche (Quercus ilex). Immergrün, und daher mit besonderem Fraßschutz (was zumindest die Ziegen wenig stört) /14/

Ongoing Restauration alter Weideflächen. Kronenholz wird mit Pferden rausgerückt und dient in den nächsten Jahren als Feuerholz für die lokale Bevölkerung. /15/

So, jetzt nochmal paar Posts zur typischen Vegetation & einigen Arten. Die Weiden mit alten Huteeichen 🌳🐐🪻 werden in Spanien #Dehesas (Link 👇) genannt. Eigentlich eine Art lichte (sehr artenreiche!) Waldweide, wie sie auch in 🇩🇪 über viele Jahrhunderte verbreitet, aber nun leider verboten ist. /16/

Dehesa – Wikipedia

de.wikipedia.org

Typisch sind eben die Eichen, dazwischen auch an Beweidung angepasste (Zwerg-)Sträucher und eine artenreiche Vegetation aus Gräsern und vielen krautigen Blühpflanzen. Das ganze ähnelt floristisch & strukturell (sub)mediterranen Zwergstrauchheiden oder, je nach Grad der Sukzession, Macchien. /17/

Je höher der Beweidungsdruck, desto weniger Zwergsträucher und weniger Arten. Und je geringer die Beweidung, desto mehr Verbuschung und extrem starke Artenverarmung. 👉 Bis hin zu monotonen Beständen, die hier fast nur noch aus wenigen Straucharten und Alt-Eichen bestehen. /18/

Die #Dehesas in der Sierra del Rincón, wo saure Böden vorherrschen, verbuschen vorrangig mit Lack-Zistrose (Cistus ladanifer) und Baumheide (Erica arborea). Das ganze ist wie gesagt monoton und brandgefährlich 🔥🌿, was vor Ort bei immer trockeneren Sommern ein zunehmendes Problem darstellt. /19/

Allerdings: Wenn ausreichend Zeit vergeht, dann folgt daraus wieder die potentiell natürliche Vegetation: 👉 Wald aus Pyrenäen-Eiche, der kaum entflammbar ist. Hier ein fortgeschrittene Sukzessionsstadium: Gut erkennbar die alte Hute-Eiche, viele jüngere Bäume und nur noch wenig Cistus. /20/

Noch paar schöne/typische Weide-Zwergstrauch-Arten für die Pflanzen-Nerds unter euch: 🔹️Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas) 🔹️Mastix-Thymian (Thymus mastichina) 🔹️Drüsenginster (Adenocarpos complicatus) 🔹️Strauch-Gamander (Teucrium fruticans) (vlnr) Blüht dann alles im Frühsommer... /21/

Wird natürlich alles hart von den Ziegen befressen, aber das ist auch gut so. Tatsächlich sind diese Arten ja auch genau daran angepasst. Überhaupt Ziegen 🐐: ich wünschte, wir hätten in D auch mehr Herden, um Verbuschung zu verhindern. Dornig, buschig, stinkig, ölig: 👉 Ziegen fressen alles.👌 /23/

Themenwechsel: Wolf 🐺 Der Wolf ist seit ca 10 Jahren zurück der Sierra del Rincón und stellt die Viehhalter:innen vor große Herausforderungen. Es gibt mittlerweile verbreitet Herdenschutzhunde und sogar Herdenschutzesel, aber das hilft nicht immer. Die Wölfe sind schlau und passen sich an. /23/

Weiterer Themenwechsel: Wasser! 💧 Den Fluss hatte ich ja in Skeet 7 schon gezeigt. Gespeist wird dieser nur aus den umliegenden Hängen. Früher war mehr Wasser, sagen die alten Leute. Mehr Schnee. Mehr Regen. Und es war im Sommer nicht monatelang komplett trocken, wie jetzt immer häufiger. /24/

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